Die ewige Beta…

Letzte Woche hatten mich Mario Sixtus und Julius Endert vom Handelblatt zu einer Gesprächsrunde eingeladen. Wissenschaftler, Medienleute, Blogger und Unternehmer (Unter anderem Rainer Wasserfuhr, Cem Basman, Lorenz Lorenz-Meyer) diskutierten eigentlich eher allgemein über Sinn und Unsinn von Web 2.0.

Das Kernthema “Perpetual beta” geriet fast zur Nebensache, dennoch sind Auszüge der Diskussion heute im Handelblatt zu lesen.

Interessant war für Qype als einzigem anwesenden “Web 2.0 Projekt” das Timing: Genau am Tag der Diskussion ist Qype von der einen Beta Phase (passwortgeschützt) in die andere, die öffentliche Beta gegangen.

Für den geneigten Leser seien daher einige Erfahrungen komprimiert:
1. Eine Community braucht Beta.

Qype wäre ohne Beta-Phase gar nicht möglich gewesen, weil ja nur durch (mehr oder weniger leidensfähige) Nutzer die ersten Inhalte entstehen, mit Hilfe derer getestet werden kann.

2. “Beta“ ist kein Biotop.

Die “Schutzzone” Beta existiert nur begrenzt. Auch Beta-Tester sind genervt, wenn offensichtliche Fehler auftauchen. Wir haben genügend davon gemacht, zum Beispiel als wir Einladungs-Prozess aufgesetzt hatten, den wirklich nur die hartnäckigsten Nutzer durchlaufen hatten. Die wurden uns auch gehörig um die Ohren gehauen. Also: Keine offensichtlichen Fehler in der Beta.
3. Beta geht mit dem Nutzer auf Augenhöhe

Es ist meines Erachtens weniger Angst, wie Thomas Knüwer in der Runde vermutete, was uns dazu motiviert hatte, “Beta” auf die Site zu schreiben, als vielmehr die Aussage: “Wir sind noch nicht perfekt”. Wir haben die Nutzer halt früh einbezogen.
Und ja:

4. Beta macht auch die Konkurrenz schlau,

Selbstverständlich haben wir mit unserer Beta-Version auch potentielle Konkurrenten informiert. Dennoch glauben wir, dass das nicht ausschliesslich ein Wettbewerbsnachteil ist: Ja, wir geben unsere Innovationen preis (z.B. sind wir weltweit die ersten die tagging bei einer lokalen Suche anbieten), aber der Vorsprung verschiebt sich auf eine spätere Phase: Wir sind jetzt halt die ersten, die wissen, wie die Nutzer auf unser Konzept reagieren.

2 Comments »

Geschrieben von stephan uhrenbacher am 4.05.2006. Kategorie: Allgemeines

2 Responses to “Die ewige Beta…”

  1. live.hackr responded on 08 Mai 2006 at 13:22 #

    Handelsblatt…

    im Web 2.0 ist beta weniger ein Indikator für Mangelware, sondern eher das Pendant zum ISO 9001 Gütesiegel für Qualität…

  2. Sechs Beobachtungen zur Zukunft der Nachrichten at viralmythen responded on 10 Apr 2008 at 09:39 #

    [...] sich von einem Produkt in eine Dienstleistung. Dazu gehört auch der Trend zu einer Art perpetual beta-Nachrichten: immer wieder kleine Updates anstelle der klassischen (Morgen- und Abend-)Ausgaben. Das [...]

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