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Google goes OpenSocial

2.11.2007 von Moe

Gestern ist Googles neustes Projekt namens OpenSocial gestartet, von dem ich unlängst schonmal was bei TechCrunch gelesen habe. Dabei handelt es sich um eine Schnittstelle für Social Sites, so dass diese untereinander Daten austauschen können. Denn das Problem ist ja allgemein bekannt: Man hat persönliche Profile bei mehreren Sites, und muss diese alle einzeln pflegen und aktualisieren, seine Kontakte und Gruppen verwalten, und so weiter. Wenn man nun in mehreren sozialen Netzwerken aktiv ist kann das richtig in Arbeit ausarten, und letztendlich dupliziert man jedesmal wieder dieselbe Information, in dem man all den Sites nacheinander beibringen muss, dass man nun eben ein Kontakt von dieser oder jener Person ist.

Cem Basman hat das ganz gut auf den Punkt gebracht:

Eine echte Integration und Harmonisierung der Welten wäre aber für mich erst dann gegeben, wenn jemand von seinem Account aus seinem Sozialen Netwerk eine andere Person in einem anderen Sozialen Netzwerk sehen, Kontakt aufnehmen und mit dem kommunizieren könnte - ohne sein eigenens Soziales Netzwerk zu verlassen. Und zwar nahtlos. So, als ob der andere in seinem eigenen Sozial Netzwerk wäre.

Und dann hat jede Social Networking Site ja auch noch einen anderen Fokus: Bei der einen gehts um Business, bei der anderen um Musik, um Freunde, oder eben um Plätze. Das ist ja eigentlich auch ganz gut so, denn der Versuch, alles auf einmal auf einer Site zu machen würde mit Sicherheit schiefgehen. Nur stellt halt jede einzelne Seite letztendlich eine Insel da, die in sich geschlossen ist und daher die sozialen Beziehungen der User untereinander - die Amis nennen das gerne den Social Graph - jedesmal durch die User neu produzieren lassen muss.

Zumindest was die Beziehungen zwischen Usern als Kontakten angeht, gab es ja auch schon offene Formen, um diese im Web abbilden zu können, so wie FOAF als RDF-Schema oder XFN als Microformat. Damit lässt sich aber nicht Aktivität abbilden, es ist meines Erachtens nach eher für dezentrale Netze von Blogs u.ä., aber weniger für Plattformen interessant, und für die Anwender auch zu kompliziert. Durchgesetzt hat es sich jedenfalls bislang nicht.

Genau das will OpenSocial eben ändern, indem sie nun APIs anbieten, die es möglich machen sollen, nicht nur das Freundesnetzwerk eines Users, sondern auch seine Profilinformationen sowie seine Aktivitäten auf der Site mit einer anderen Plattform auszutauschen.

Ebenso sollen Entwickler kleine Anwendungen basteln können, die innerhalb der Sites laufen können, also ähnlich wie Facebook es bereits mit den Facebook Apps macht. Nur der Unterschied ist eben, dass diese Anwendungen dann auf allen an OpenSocial teilnehmenden Sites laufen, und auch auf deren Daten zugreifen können, nehme ich zumindest an. Man kann das durchaus als eine Kampfansage an Facebook ansehen, die ja nun wirklich sehr, sehr groß sind. Die anderen Player aber sind auch nicht gerade klein, und wollen Facebook nun durch einen Zusammenschluss mittels der OpenSocial API etwas entgegen setzen.

Das ist recht spannend, weil es die einzelnen Social Networking Sites nach außen öffnet, und denjenigen Usern, die mehrere Plattformen benutzen, unnötige Arbeit spart, jedesmal wieder die üblichen Bekannten hinzuzufügen, und dann noch regelmäßig hintereinander über alle Plattformen surfen zu müssen, um zu sehen was es neues gibt.

Auf der anderen Seite, und das ist ein Punkt über den ich in diesem Zusammenhang noch nicht so viel gelesen habe, stellt sich mir hier natürlich auch die Frage nach dem Datenschutz und der Privatsphäre. So ist es ja durchaus denkbar, dass das gar nicht jeder User will, da er beispielsweise ganz unterschiedliche Freunde auf den verschiedenen Plattformen hat, seine beruflichen Netzwerke im Web nicht mit seinen privaten Kontakten vermischen möchte, oder eben ganz grundsätzlich die Kontrolle über seine Daten, und wer Zugriff darauf hat, behalten will. Ich gehe eigentlich fest davon aus, dass man dort den Usern entsprechende Privacy-Options anbieten wird, bin aber auf jeden Fall mal gespannt, ob dies ausreichen wird, und wie die Defaults aussehen werden.

Google selbst ist da in seinen Ankündigungen noch deutlich zurückhaltender. So kann man im neuen OpenSocial API Blog bislang nur ein Posting lesen, aus dem hervor geht, dass Entwickler nun also nicht mehr all die verschiedenen APIs der verschiedenen Anbieter lernen müssen, sondern mit der OpenSocial API eben für eine ganze Menge verschiedener Sites entwickeln können. Von Austausch ist an dieser Stelle noch nicht wirklich die Rede. Darauf finden sich aber Hinweise in der Doku.

Es bleibt jedenfalls sehr spannend zu sehen, ob und wie sich OpenSocial entwickeln wird, denn es hat wirklich ein großes Potential, und ich bin mir sicher, dass sich einige sehr innovative Anwendungen daraus ergeben werden, die ohne die Masse der schlauen Leute die sich nun damit beschäftigen können gar nicht möglich wäre. Und diese Möglichkeit, Inhalte, Informationen und Schnittstellen zu öffnen und etwas ganz anderes zurückzubekommen, was einem selbst vielleicht im Traum nicht eingefallen wäre, ist ja eigentlich nach wie vor das Abgefahrenste, was das Web zu bieten hat.

Was bleibt ist natürlich noch eine gewisse Skepsis, was den Hype sowie den tatsächlich erwartbaren Nutzen angeht. Ich erinnere nur an den Kauf von Jaiku vor ein paar Wochen, wo dann plötzlich alles von Jaiku sprach, und nichts anderem mehr. Ganze zwei Tage lang. Aber so oder so: Wir werden uns das sehr genau ansehen.


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