Es kippt.
Der geneigte Leser möge bitte akzeptieren, dass ich das folgende ohne Häme sage: Die Web 2.0 Stimmung kippt.
Endlich. Die Spreu trennt sich vom Weizen. Die Blase wird zwar nicht platzen, aber die Luft entweicht langsam.
Ich habe mich öfters gefragt, wann das passiert und mich um mindestens ein Jahr verschätzt (ich dachte, es käme ein Jahr früher).
Aber für alle, die sich gerade von der 15 Mrd Dollar Bewertung von Facebook blenden lassen, meine kleine persönliche Liste der Gründe, warum die Stimmung gerade endgültig gekippt.
Erstens: Niemand hat die 15 Milliarden für Facebook wirklich bezahlt.
Zweitens: Es ist schon seit geraumer Zeit nicht mehr möglich, für die Me-too Version des Me-toos, Geld einzusammeln.
Drittens: Gründerraum von Heute (lesenswert)
Viertens: Das heutige Interview mit Markus Englert in der FTD (der Mann der knapp 20 Mio für Myvideo bezahlt hat)
Fünftens: Die ersten Startups gehen wieder Pleite.
Sechstens: Ich kenne ungefähr zehn mal so viele erfolgreiche Web 2.0 Berater wie erfolgreiche Web 2.0 Unternehmer.
Diejenigen, die dort gewesen sind (wir waren es nicht), werden sich wohl an die Web2.0Expo in Berlin als Wendepunkt erinnern. (siehe Thomas Knüwer).
Es wird also schwieriger. Oder auch nicht? Vielleicht gar nicht so sehr. Niemand ist schliesslich geholfen, wenn er in der zwanzigsten Top-20 Liste der deutschen (eh quatsch) Web 2.0 (auch quatsch) Startups (das mag ich allerdings) auftaucht. Was bleibt, ist die Macht des Menschen als Senders von Information und nicht nur als Empfänger. Was geht, sind vielleicht die unzähligen Get-Rich-Quick Ansätze. Und die Berater können ungefähr noch 12 Monate lang damit rechnen, die Web 2.0 Konzepte aus dem BtoC Geschäft in die BtoB Welt umzusetzen – “wir machen jetzt auch Web 2.0 hier in der Großbank”.
Geschrieben von Stephan Uhrenbacher am 12.11.2007. Kategorie: Allgemeines
19 Responses to “Es kippt.”
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Maik responded on 12 Nov 2007 at 17:29 #
Was kippt?? Wenn sich die Spreu vom Weizen trennt, frage ich mich ernsthaft, warum du hier noch so gemütlich und seelenruhig bloggst!!
Klaus Eck responded on 12 Nov 2007 at 17:32 #
Können Stimmungen wirklich kippen oder entsprechen sie nicht eher Deiner rein subjektiven Wahrnehmung? Als Berater bin ich zugegebenermaßen weiterhin sehr optimistisch, was das Web 2.0 angeht und bester Hoffnung, dass sich die Spreu vom Weizen trennt. Was soll’s. Das nennt sich Marktbereinigung und wird die Unternehmen stärken, die etwas von ihrem Business 1.0 verstehen.
Oder wie es in der Wirtschaftswoche vor einigen Jahren einmal hieß: Es geht doch immer um die True Economy. Als solche verstehen sich zumindest die Besten der Web 2.0 Startups. Warum sollen wir ihnen nicht erst einmal eine Chance einräumen? Der Markt wird’s (hin)richten. Wie auch immer, vor einem halben Jahr hieß es, die Corporate Blogs seien am Ende. Dennoch häufen sich bei mir die Anfragen. Woran liegt es? Vermutlich daran, dass nach dem Hype das Real Business folgt oder?
Stephan Uhrenbacher responded on 12 Nov 2007 at 17:38 #
Hallo Klaus,
Der Markt wirds (hin)richten ist ja ganz schön hart…
Zum Thema Corporate Blogs: Das ist schon ein hartes Brot, wenn man das lernt. Selbst Moe hat Schwierigkeiten, auf corportate umzusteigen. Und ich als Normalo hatte es auch nicht leicht, einen Einstieg zu finden… Aber unter’m Strich mag ich mir noch kein abschliessendes Urteil erlauben. Welche Corp Blogs sind Deiner Meinung nach richtig rentabel?
Gravy Train responded on 12 Nov 2007 at 17:50 #
*listening to “Have a Cigar” by Pink Floyd*
Gravy Train responded on 12 Nov 2007 at 17:55 #
Hier noch ein Link zum Thema:
http://u1.ipernity.com/u/1/08/21/860424.715109461.l.jpg
*ROFL*
Lola rennt responded on 12 Nov 2007 at 17:59 #
Ein Bubble Burst-Anzeichen habe ich auch noch: Alle Deppen kaufen sich Macs.
(Pardon my french.)
Bastian Scherbeck responded on 12 Nov 2007 at 19:16 #
hmmm… Da ist doch tatsächlich erst einmal zu fragen wie du “Rentabel” definierst und wieviel Zeit Du einem Blog gibst um “rentabel” zu werden @Stephan Uhrenbacher
Stephan Uhrenbacher responded on 12 Nov 2007 at 19:21 #
Klaus schreibt doch, dass die Anfragen wegen Corporate Blogs wohl auf Real Business zurückzuführen sind. Ich habe das mit “rentabel” bewusst so auf den Punkt gebracht. Wenn ein CEO bloggt, falls sie das denn wirklich selber tut, dann muss sie ihre Zeit entsprechend ansetzen. Ich glaube z.B. dass sich das Qype Blog “rentiert”, weil es ein direkter Kanal in einen Teil unserer Multiplikatoren darstellt. Das wäre anders nicht günstiger zu bekommen. Würden wir mit Autos handeln, dann wäre das sicher anders.
Chris responded on 12 Nov 2007 at 19:50 #
Interessant wäre zu wissen, warum Qype denn überleben soll Herr “Me too von Yelp”, Herr “Ich gebe Web2.0 Beratern Jobs”, Herr “Ich hab Venture Capital für mein Me too Produkt bekommen” oder einfach Herr Uhrenbacher?
Das keiner 15 Milliarden für Facebook gezahlt hat, sollte jedem, der des Lesens mächtig ist, klar sein. Es ging um 1,6 Prozent auf einer BEWERTUNG von 15 Milliarden. Nicht mehr, nicht weniger. Startups gehen Pleite. Ich kipp um! Welch Überraschung! Im Einzelhandel gehen auch ganz viele “Startups” pleite, muss ich nun Angst um den Schreibwarenhändler meines Vertrauens haben? Nein. Es ist möglich, ein Startup mit ein paar Euro zu gründen, dementsprechend ist die Hemmschwelle sehr niedrig und viele kommen und gehen. Logisch! Was dort jetzt ein Indikator für das “Platzen der Blase” darstellt, bleibt mir schleierhaft.
Viel Spaß noch beim Schwarzsehen ;-) Ich drück Ihnen die Daumen und hoffe, Qype wird nicht als erstes Startup dran glauben müssen (So gut soll es bei Ihnen ja auch nicht laufen, wie man hört).
Blogrundschau, 12. November 07 at Netzfischer.EU responded on 12 Nov 2007 at 21:23 #
[...] Gruenderraum darüber, warum der Web 2.0 Hype bald überstanden ist. Die FTD ebenfalls. Hier gefunden. [...]
Stephan Uhrenbacher responded on 12 Nov 2007 at 22:12 #
@ “Chris”: Sowohl dass es Yelp gibt, dass wir Investoren haben, als auch dass wir (früher mehr als heute) Berater beschäftigen, haben wir mehrfach an dieser Stelle kommuniziert. Und ich bin es leid dass, wenn man mal was nüchternes schreibt, gleich als Kritiker von Startups dasteht. Nochmal: Startups sind klasse. Scheitern kommt vor. Neu Anfangen zählt. Aber ich glaube, dass sich das Spielfeld für Startups massiv geändert hat. Und das haben ganz Viele noch nicht wahrgenommen. Genauso wie sehr, sehr viele Menschen den feinen Unterschied bei Facebook bislang nicht wahrgenommen haben. Ach und Ja, Qype geht es im Moment gut, danke.
lokalreporter responded on 12 Nov 2007 at 23:10 #
aus meiner sicht ist das web2.0 eine gute trainingsmöglichkeit, um sich mit den anforderungen der schnellen neuen zeit auseinanderzusetzen ~ ob als blogger, twitter, qyper oder bei sämtlichen anbietern registrierter kommentator.
ich zb habe mir innerhalb eines jahres in meiner freizeit eine kleine web2.0-existenz erschrieben.
dank des hamburger mitmachportals mit dem hybriden namen, kann ich über den polsterer in meinem kiez schreiben, die beiträge bekommen von anderen portalikern feedback, werden beachtet. laut google bin ich heute eine regelrecht webige figur :-)
ich kann verstehen, dass es langjährigen alphabloggern ganz schön den kopf verdrehen kann, wenn die wirtschaft anklopft und mit werbegeldern winkt, wenn statistiken den eigenen rang markieren und dir die 30-millionen-dollar-idee des nächtens den schlaf raubt -> ich vermute, der heilige traum jedes zweiten startuppers [und bloggers] ist es: reich und berühmt zu sein.
einer idee zum durchbruch zu verhelfen, ist im richtigen leben eine ebenso anspruchsvolle aufgabe, wie eben hier im web 2.0.
von daher ist alles so wie es immer war!
oliver gassner responded on 13 Nov 2007 at 0:41 #
Na ja, wenn man über das Essen bei der expo gebloggt hat, hat man Linkbacks gekriegt, wenn man Inhalte Livegebloggt und getwittert hat… eher nicht (aber fürs LIvetwittern den einen oder anderen freundlichen Zuruf auf dem Gang – danke). Und von den Inhalten war einiges (nicht alles oder das meiste was ich gesehen habe und ich war ja immer nur an 1 stelle) nicht übel (du weißt, ja was das im Schwäbischen heißt ;) ).
‘Optimierbar’ war die Web 2.0 Expo Berlin sicher. Ort, Versorgung (“Essen” will man alles außer dem Apfel kaum nennen), Sprecher, einige Vorträge, einige Panels (manchmal bisschen mehr Butter bei die Fische z.B. beim internen Wiki-Einsatz).
Problem war auch die Differenz zum Barcamp (wo ihr auch nicht wart). Oder: dass Geeks und Corporates zusammen auf einem Event nicht GANZ passen. Einer von beiden muss wahrscheinlich irritiert sein und gegebenenfalls ist es ‘besser’ wenn die Geeks irritiert sind – die hatten nämlich die Freitickets und nicht die anderen.
Am 2. Tag musste man dann auch nicht mehr auf dem Boden sitzen bei den Keynotes ;) Bzw höchstens weil sie wirklich übervoll waren da ja auch jeder Expo-Besucher da hin konnte.
Kurz gesagt: wer Blogger liest, liest nur das was Blogger schreiben ;)
Noch Kürzer: es gab Mehrfachsteckdosen (außer in dem Raum, in dem man arbeiten konnte, da gab es zu wenige ;) ) und Wlan, war also OK ;)
Stephan Uhrenbacher responded on 13 Nov 2007 at 12:45 #
@ Lokalreporter. “von daher ist alles so wie es immer war” stimmt natürlich auch. :-)
@ OliverG: Ich habe Deine LiveTwitter-Geschichten aus Berlin sehr sehr gerne gelesen.
Aber ich hatte sowohl bei Deiner als auch Pixelsebis Berichterstattung auf der positiven Seite als auch bei den Kassandras dieser Welt nicht den Eindruck, wirklich was verpasst zu haben.
oliver gassner responded on 13 Nov 2007 at 12:57 #
@stephan: Klar hast du beim Barcamp was verpasst.
Nein, im Ernst: Du weißt doch auch, dass bei solchen Events die Frage, wer noch so da ist oft relevanter ist als wer auf dem Podium steht. Kaum etwas, was einer erzählt, kannst du nicht in Studien nachlesen oder bei Slideshare oder Sevenload oder Youtube kosumieren (oder dir von nem Berater zusammenfassen lassen ;) )
Ich hab mir z.B. die Schluskeynote auf Video angesehen und auch wenn ich die Slides bei Slidesahre gucken musste einen ganz guten eindruck gekriegt – aber eben einen anderen als wenn man da gewesen wäre. gegebenenfalls.hätte man auch recht viel davon gehabt wenn man nen Expo-Pass gehabt hätte und sich die web2Open und die Keynotes gegeben hätte. Essen gabs ja bei den Mister Wongs ;)
Heiko Seifert responded on 15 Nov 2007 at 12:14 #
Auf der Webexpo hast Du wirklich nicht viel verpasst. Zumindest der Tag an dem ich da war, war verschenkte Arbeitszeit…
darkrob responded on 19 Nov 2007 at 10:07 #
Ohne den ganzen Börsendruck wäre der Markt wesentlich entspannter. Würde man das ganze im Sinne des klassischen inhabergeführtem Unternehmens abwickeln, dann würde der gute Stephan die Blase gar nicht wahrnehmen. Ich habe die erste Blase auch sehr gut miterlebt. Ich habe in einem dieser DotComTod-Unternehmen gearbeitet und habe erfahren, das man den Laden nur gegründet hat, um an der Börse etwas zu verdienen. Einfach nur lächerlich.
bwl zwei null » Bloggen Sie schon, Herr Doktor? responded on 23 Nov 2007 at 8:54 #
[...] man bei Qype der Ansicht ist, die Stimmung im Web 2.0 würde “kippen“, bleibe ich da gelassen. Es mag sein, dass wir in kurzer Zeit etwas viel Portale bekommen [...]
QYPE*Vibes » Blog Archive » Pffft. responded on 09 Jan 2008 at 19:32 #
[...] Luft geht raus” aus der 2.0 Blase. Bislang war ich immer etwas früher, siehe “Es kippt“. Heute endlich ist diese Erkenntnis Mainstream geworden. Den besten Beitrag dazu habe ich [...]